Ich finde, sich noch einmal Urlaubsbilder anzuschauen, ist, wie sich noch einmal wegzuträumen. Urlaubsbilder von gutem Essen und Wein, Freunden und wunderbaren Abenden noch einmal anzuschauen, nachdem man wieder zu Hause angekommen ist und draußen Regen fällt bei kühlen 18 Grad, während im Burgund wahrscheinlich ein lauer Sommerabend vor sich hin dämmert, ist besonders schön. Das Dumme ist nur, irgendwann hat man die Bilder alle noch einmal angesehen und dann schaltet man den Rechner aus und draußen regnet es noch immer…. Konsequenz: Ich koche alle Gerichte, die wir im Burgund gegessen haben, noch einmal zu Hause nach. Es war einfach zu schön… Als ich in der Küche des Landhauses, in dem wir zu Gast waren, in einer Schublade eine alte Ausgabe von einem Biolek-Kochbuch gefunden habe, sprang mir ein Kaninchen-Rezept ins Auge, natürlich ein französisches, wenn auch kein Burgunder Rotwein-Kaninchen (weiß gar nicht, ob es das gibt, aber wenn nicht, sollte man es kreieren). Kaninchen provencalisch.
Zubereitet ist der Genuss recht fix, die Zutaten sind auch einfach, es braucht eben nur seine Zeit, bis das Fleisch gar ist. Doch der Reihe nach. Im Leclerc (franz. Supermarkt) oder in einem guten deutschen Supermarkt gibt es franz. Kaninchen bereits küchenfertig portioniert, frisch verpackt. Für 4 Esser habe ich 4 Kaninchenrücken gekauft, bereits in Stücke gehackt, allerdings noch mit den Knochen. Gut, man kann nicht alles haben, ist aber schon komisch, dass man die Knochen nicht auslöst - egal, wahrscheinlich wirds dann zu teuer. Ich weiß es nicht!
Das gibt pro Portion etwa 4 Stücke Fleisch. Da ja an solch einem kleinen Hopser nicht viel dran ist, ist das weder zu viel für ein absolutes Völlegefühl, noch zu wenig, als dass man hinterher 5 Portionen Dessert verdrücken müsste. Weiter braucht man 20 Schalotten, 1 Aubergine, 5-6 große Tomaten, jeweils eine grüne und eine rote Paprika, 2 Knoblauchzehen (vielleicht auch mehr), einen Bund glatte Petersilie, frischen Thymian, Basilikum, etwa 100 gr schwarze gesalzene Oliven, 4 Lorbeerblätter, einen ordentlichen Schuss Rotwein, Butter, Olivenöl, Salz und Pfeffer. Zuerst die Kaninchenrückenteile in heißem Olivenöl kurz aber kräftig anbraten, so etwa 2 Minuten von jeder Seite. Dann die Teile herausnehmen und beiseite stellen. Jetzt die geschälten Schalotten in das heiße Öl geben und schön anbraten, bis die Haut goldgelb ist, dann den geschnittenen Paprika und die in Stücke geschnittenen Tomaten und die Aubergine dazugeben. Alles etwa 20 Minuten vor sich hin köcheln lassen, eventuell etwas Kalbsfond angießen, wenn die Flüssigkeit des Gemüses nicht reicht. Wenn das Gemüse einigermaßen durch ist, die angebratenen Kaninchenteile wieder in die Pfanne dazugeben und ebenso den gehackten Knoblauch, die Oliven und die Kräuter. Alles kräftig salzen und pfeffern, den Wein dazugießen, vielleicht ein kleines Stück Butter und etwas Tomatenmark noch. Dann beginnt die große Garerei - das Ganze etwa eine Stunde, vielleicht auch länger, je nach dem, was für ein kräftiger Kaninchenrücken in der Pfanne schmort, vor sich hin köcheln lassen. Immer mal wieder probieren, wie die Konsistenz des Fleisches ist. Ich mag es ja, wenn sich das Kaninchenfleisch quasi von selbst vom Knochen löst. Man kann es aber auch bevorzugen, das Fleisch noch bissfest vom Knochen zu pulen. Hauptsache es ist durch. Was es dazu gibt? Einen kräftigen Rotwein und warmes Baguette. Mehr nicht. Wollt ihr mal die Pfanne mit Ausblick übers Burgund sehen? Voilà!
